DER SITUATIONSANSATZ
1. Grundauffassung - soziales Lernen
Der Situationsansatz stellt das soziale Lernen in den Vordergrund. Das heißt, dass der Erwerb von Fähigkeiten in konkreten sozialen Zusammenhängen steht. Die aktuelle Lebenssituation der Kinder - ihre Fragen, ihre Interessen und ihre Schwierigkeiten - bildet den Ausgangspunkt für alle Aktivitäten und Projekte.
Ziel dieses Ansatzes ist es nicht nur den Kindern diejenigen Fertigkeiten erwerben zu helfen, die sie in ihrer Lebenswelt benötigen, die Kinder sollen darüber hinaus die Gelegenheit erhalten, zu autonomen Persönlichkeiten heranzuwachsen. Dafür werden sie individuell gesehen in Allem was und wo sie aufgrund ihres Charakters, ihres Entwicklungsstandes und ihrer Lebenssituation gerade sind.
2. Wichtige Elemente
Freies Spiel
Als ein Bestandteil des Kindergartentages können die Kinder die vorhandenen Räumlichkeiten und Spielmöglichkeiten nach eigenen Vorstellungen und aktuellen Bedürfnissen nutzen. Dabei müssen sich die Kinder mit den anderen Kindern absprechen und einigen, dies fördert das Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl der Kinder.
Entdeckendes Lernen in Projekten und Neigungsgruppen
Themen und Projekte werden aus aktuellem Anlass gemeinsam geplant. Das kann beispielsweise eine Großbaustelle vor der Tür sein, die zu intensiver Beschäftigung mit dem Themenkreis Bau, Werkzeug, Fahrzeuge oder auch mit der handwerklichen Welt führt. Solch ein Projekt hinterlässt unter Umständen breite Spuren: Vorhandene Informationen und Materiaien werden im Kindergarten und Zuhause gesammelt und neue Materialien beschafft, Arbeitsecken werden eingerichtet und Ausstellungen vorbereitet.Selbstverständlich bildet sich das Erziehungspersonal regelmäßig projektbezogen fort. Ein Projekt oder Themenkreis kann Anstoß für weitere Projekte geben.
Anregung und Begleitung
In den Räumlichkeiten des Kindergartens stehen den Kindern Materialien zur Verfügung, die die kindliche Phantasie anregen. Es wird ihnen jedoch nicht vorgeschrieben, was gespielt, gemalt oder hergestellt werden soll. Die Erzieher und Erzieherinnen begleiten, beobachten und unterstützen die Kinder: Sie greifen Themen auf, die die Kinder einbringen und helfen ihnen ihren Interessen nachzugehen. Das kann sowohl die Bereitstellung von Materialien beinhalten wie, die Begleitung bei der Formulierung von Problemen, Beratung über Lösungswege oder weiterführende Anregungen. Unter Umständen entsteht aus Themen, Situationen und Problemen, die im freien Spiel zu beobachten waren, ein umfangreiches Projekt.
3. Entstehung und Verbreitung
1973 empfahl der Deutsche Bildungsrat, die Spiel- und Lernangebote in den Kindergärten ausgehend "von den Situationen der Kinder, von deren Lernvorraussetzung, -bedürfnissen, -möglichkeiten und von ihren Lebensbedingungen" zu gestalten. Daraufhin entwickelten und erprobten mehrere Bundesländer Curricula für die Erziehungsarbeit in Kindergärten, die situationsbezogen konzipiert waren, wie z.B. das Curriculum " Soziales Lernen" in Hessen und Rheinland-Pfalz. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) gab 1991 sein "Praxisbuch soziales Lernen im Kindergarten" heraus, das bis heute erweitert und durch Projekte weitergeführt wird. Der Situationansatz ist jedoch kein streng umrissenes Konzept: In vielen deutschen Kindergärten wird heutzutage situationsorientiert gearbeitet, dies aber stets mit individueller Ausgestaltung und Schwerpunktsetzung.